Deutsche Meisterschaften Bahn 2012 – unser Gewinn: Großer Respekt und viel Erfahrung

Natürlich sind wir – Claudia Maria Henneken aus der Aktiven-Klasse, Robert Woermann in seinem ersten B-Junioren-Jahr, und Hanspeter Detmer in der AK60 – mit dem Ehrgeiz zu den Deutschen Meisterschaften 2012 auf der Bahn nach Gera gereist, vielleicht doch wenigstens eine Medaille zu ergattern. Die drei Mitglieder des SSC Kölner Roll-Möpse waren übrigens die einzigen Kölner, die sich beim jährlichen nationalen Hochfest der Speedskater der Konkurrenz stellten, auch wenn realistisch betrachtet ein Medaillengewinn nahezu utopisch war. Doch nur über die Wettkampfherausforderung kann man sich verbessern. Immerhin haben wir uns großen Respekt verschafft - allen voran Claudia Maria Henneken. In den fünf Disziplinen, in denen deutsche Top-Speedskaterinnen Medaillen gewinnen konnten, kam Claudia Maria immerhin dreimal auf Rang fünf – 500 Meter Massensprint, 1000 Meter Massensprint, 5000 Meter Punktefahren mit Ausscheidung. Großen Respekt verlangen aber auch ihre sechsten Plätze im 300 Meter Einzelsprint und im 5000 Meter Punktefahren.

Um sich einen Finalplatz unter den sechs besten Sprinterinnen über 300 Meter zu sichern, musste Maria in der Qualifikation mit 29,569 Sekunden eine persönliche Bestzeit aufstellen. Wie viel Beachtung diese Leistung verdient, das wird erst deutlich, wenn man die Umstände kennt, unter denen Claudia Maria Henneken ihre Leistungen verbesserte: Als einzige Finalistin hat sie keine Möglichkeit, regelmäßig auf einer Speedskating-Bahn zu trainieren. Wenn die Kölnerin Anschluss an die nationale Spitzenklasse halten will, muss sie in Leverkusen auf einem Provisorium ohne Kurvenüberhöhung trainieren. Die Sportstadt Köln bietet ihr nichts.

Trotzdem hat Claudia Maria ihre Kurventechnik verbessert, was im 500-Meter-Massenstartrennen deutlich zu sehen war. Im Halbfinale kam dann auch noch ein exzellenter Start hinzu. Wäre Maria unterwegs im Rennen nicht zu brav, wenn in den Kurven auch mal mit Ellenbogen um die Top-Positionen gekämpft wird – wer weiß, wo Maria in dieser Disziplin hätte landen können? Immerhin qualifizierte sie sich auch hier für den Endkampf der Besten.

Marias 5. Platz im 5000-Meter-Punktefahren war das Ergebnis bester Teamarbeit der kleinen Kölner Crew. Nachdem ihr nach der Hälfte des Rennens die Erfurterin Sabrina Rossow schon 50 Meter entwischt war, war für Maria die Gefahr groß, aus dem Rennen genommen zu werden. Ihre Klubkameraden aber hatten beobachtet, dass die Erfurterin am Limit fuhr. „Rossow platt“ riefen sie von draußen ihrer Klubkameradin zu, die daraufhin alleine die Verfolgung aufnahm, sich mit Zähigkeit heran kämpfte und mit ihrem beherzten Überholmanöver die Erfurterin schließlich demoralisierte.

Bei den B-Junioren konnte 16jährige Robert Woermann nicht an jene Leistungen anknüpfen, die er fünf Wochen zuvor auf der gleichen Bahn und vor drei Wochen bei den Süddeutschen Meisterschaften in Homburg gezeigt hatte. Schon im einleitenden Einzelsprint blieb er hinter den eigenen Erwartungen. Nach dem Vorlauf im 500-m-Massensprint haderte Robert mit einer nicht optimal eingestellten Schiene. Und für den 5000-m-Punktelauf mit Ausscheidung, in dem er vor fünf Wochen in Gera selbst gegen internationale Konkurrenz noch eine Top-Leistung gezeigt hatte, vermochte er sich kaum noch richtig zu motivieren. Dennoch war der Start in Gera für den jungen Burschen wichtig. Denn auch in verkorksten Rennen kann man viel Erfahrung sammeln, vor allem, wenn es sich erst um das erste Jahr in dieser Altersklasse handelt.

Mit Platz acht unter elf Konkurrenten erwischte der AK60-Senior Hanspeter Detmer keinen guten DM-Auftakt im 300-Meter-Sprint, in dem er vier Jahren noch den Meistertitel gewinnen konnte. Gegen inzwischen um sechs Jahre jüngere Konkurrenten hingen natürlich auch im 1000 Meter-Rennen die Trauben extrem hoch. Aber Platz fünf mit neuer persönlicher AK60-Bestzeit in 1:59,91 Minuten zeigte, dass der Saison-Trainingsaufbau exakt richtig war.