Köln-Inline-Marathon 2011: Viel Sahneasphalt, 1400 m Tunnelröhre, drei U-Turns, viermal durch die „Skater-Arena“

Von Anbeginn des Kölner Inline-Marathons an gehört es zur guten Tradition, dass der SSC Kölner Roll-Möpse mit detaillierten Strecken-Informationen seinen Beitrag zur Sicherheit aller Teilnehmer geleistet hat. Da in diesem Jahr die Kölner Inline-Marathon-Strecke gegenüber den Vorjahren um 50 Prozent verändert wurde, ist eine Aktualisierung der Streckenhinweise durchaus sinnvoll.
Was alle Inline-Skater erfreuen wird: Es gibt jetzt in Köln ganz viel Sahneasphalt vornehmlich auf der ersten Rennhälfte. Aber es gibt in diesem Jahr auch drei 180-Grad Rechts-U-Turns (bislang nur einen Links-U-Turn), zwei Durchfahrten durch den Rheinufertunnel mit 1400 Meter Gesamtlänge, dann vier (bislang eine) Straßenunterquerung mit entsprechenden Ab- und leider auch Auffahrten, und am Anfang die von vielen Freizeitskatern gefürchtete Abfahrt von und kurz vor dem Ziel die von allen gehasste Auffahrt über die Deutzer Brücke. Verringert hat sich die Zahl der Straßenbahnschienen-Überquerungen von 9 auf 8.

Aufgrund der extremen Streckenänderungen kann man nicht mehr von Verbesserungen bisheriger Streckenrekorde sprechen. Interessant wird jedoch der Vergleich der Zeiten von einst mit den diesjährigen Zeiten sein. Vor allem von den Spitzenfahrern sollten bei trockener Strecke und mäßigen Windverhältnissen sehr schnelle Zeiten erzielt werden.

Von zahlreichen Breiten- und Freizeitskatern werden aber auch Bedenken geäußert. Sie beziehen sich gleich nach dem Start auf die ca. 500 m lange Abfahrt vom Zenit der Deutzer Brücke links um das Maritim-Hotel herum bis in den Rheinufertunnel. Allen denen, die davor Bammel haben, sei jedoch gesagt: Diese Angst ist unbegründet. Denn die Linkskurve um das Maritim-Hotel herum ist sehr weitläufig. Und das Gefälle flacht auch etwas ab, bevor es dann in den Tunnel geht. Man muss nur einfach in eine lockere Skaterposition gehen und darf nicht mit durchgedrückten Knien fahren. Panische Bremsmanöver machen nur Stress. Lasst einfach rollen, dann kommt ihr auch unbeschadet im Rheinufertunnel an.
Ähnlich verhält es sich mit den Fahrten unter der Riehler Straße (km 5 und km 9) – locker rollen lassen, wenn es runter geht; aber kräftig durchdrücken, wenn man wieder hoch will.

Die Freude über den Sahneasphalt wird jedoch unterbrochen kurz nach km 11. Wenn man rechts wieder den Kölner Dom und den blauen Musical Dome sieht, ist höchste Vorsicht angesagt. Auf einer Streckenlänge von knapp 40 Metern haben wir auf der Abfahrt in die Tunnelröhre schwere Asphaltverwerfungen in Fahrtrichtung aufgespürt. Damit rechnet man nicht, wenn man zuvor Kilometer lang über Sahneasphalt geflitzt ist. Wenn man auf diesen in Fahrtrichtung verlaufenden Verwerfungen falsch aufsetzt, kann man leicht zur Seite kippen. Im Vorjahr ist das beim Köln-Triathlon sogar einigen Radfahrern passiert. Wer nicht rechtzeitig das Tempo reduziert, bis zum Ende der Schadstelle die Skates einfach stehen lässt und erst nach gut 40 Metern wieder Tempo aufnimmt, könnte schon zu Beginn des 740 Meter langen Tunnels in die Röhre gucken. Wir haben das Marathon-Organisationskomitee auf diese Gefahrenquelle aufmerksam gemacht.

Nach dem Tunnel laden dann jedoch weitere 12 km Rheinuferstraße zur Fortsetzung des Geschwindigkeitsrauschs ein. Aber auch dem neuen und schnellen Flüsterasphalt auf der Rheinuferstraße sollte man nicht blind vertrauen. Leider sind schon wieder einige Kanaldecke abgesackt. Unser Vorschlag an die Organisatoren: Nicht die Deckel markieren, sondern schon 10 Meter vorher darauf hinweisen.
Bei km 14 sowie km 18 sind schließlich noch doppelte Schienenstränge zu überqueren. Große Vorsicht auf der Fahrt in den Kölner Süden: Die Schienenstränge liegen schräg und nicht problemlos quer zur Fahrtrichtung. Auf der Rückfahrt verlaufen sie dann jedoch eher im 90-Grad-Winkel zu Laufrichtung.

Erst ab km 19,5 beginnt dann die Fahrt durch das Köln charakteristische Innenstadt-Labyrinth. Vorsicht beim Linksabbiegen von der Rheinuferstraße ins Stadtzentrum: Hier gibt es einige tückische Asphaltschadstellen. Dann aber kommt zunächst einmal wieder Sahneasphalt.

Bei km 20 gibt es vom sehr breiten "Mühlenbach" eine Rechtskurve in die sehr enge Straße "Hohe Pforte", an deren Ende man auf einem kurzen Stück durch Betonpflaster aufgerüttelt wird. Diese Rüttelpassage sollte man zugleich als Warnung verstehen. Denn wenn man dann links abgebogen gibt es ein Nadelöhr. Die eigentlich zweispurige Straße verengt sich auf wenigen Metern auf nur noch eine relativ schmale Fahrbahn. Dann könnte gefährlich werden, wenn größere Züge parallel skatend an diese Stelle kommen!

Entschärft ist die Schienenüberquerung bei km 21,7 im Bereich Zülpicher Platz/ Hohenstaufenring, da man nicht mehr über Weichen holpern muss.

200 Meter weiter gibt es am Barbarossaplatz eine Rechtskurve über eine Abbiegespur. Jetzt beginnt das „Inline-Skater-Special“. Weil für die Inline-Skater beim Köln-Marathon die Vorbeifahrt am Dom bekanntlich unmöglich ist, fahren sie schon ab ca. km 22 ihre Extraschleife. Grundsätzlich ist der Straßenbelag okay, doch es gibt zwei, drei häßliche Kanaldeckel mittig in der Straße. Vorsicht auch beim erneuten Überqueren der Zülpicher Straße mit ihren Schienensträngen! Dann aber heißt es auf der breiten Roonstraße, vorbei an Kölns großer Jüdischer Synagoge, Full Speed bis zu der unproblematischen Linkskurve in die Lützowstraße, die eigentlich einen guten Belag hat, wären da nicht drei gefährliche Frostaufbrüche. Vielleicht werden sie noch ausgefüllt.

Nach der ersten Durchfahrt durch die Unterführung vor der Universität bei km 24 kehren die Skater letztlich zurück auf die Marathon-Gesamtstrecke. Die ehemals sehr holprige Sülzburgstraße ist – Skaterglück - neu geteert worden. Nochmals durch den Uni-Tunnel geht es bei km 27.
Besser ist inzwischen auch der Asphalt auf der beliebten Dürener Straße. Wenngleich der zweite U-Turn bei km 29 – der erste war schon bei km 7 - nicht so große Begeisterung auslösen dürfte.
Der Rest der Strecke ist fast wie in den Vorjahren. Nur dass die großen Vororte Ehrenfeld und Nippes links liegen gelassen werden. Immerhin kommt man an dem mächtigen Neubau der Kölner Moschee vorbei. Der Dom wird den Skatern zwar vorenthalten, doch machen sie auf der Neusser Straße bei km 36,5 wenigstens exakt vor Kölns zweitgrößter katholischer Kirche, der Agnes-Kirche, ihren dritten und letzten Rechts-U-Turn, der an dieser Stelle weitläufig angelegt sein sollte.

Spätestens nach diesem Punkt bereiten die Spitzenfahrerinnen und –fahrer ihre Positionskämpfe für den Schlussspurt vor. Am Rudolfplatz ist die Linkskurve mit nachfolgendem Betonpflaster zwar unangenehm, aber nicht gefährlich. Auf den Asphalt achten muss man lediglich noch einmal auf der langen Auffahrt auf die Deutzer Brücke und bei der Abfahrt in Richtung Ziel. Spurrillen könnten den einen oder anderen leicht aus der Bahn werfen.

Während unter Marathon-Läufern viel Kritik an der neuen Kölner Streckenführung - vor allem an der weitgehend geradeaus führenden langweiligen ersten Streckenhälfte, auf der zu befürchten ist, dass sich kaum Zuschauer einfinden – laut wurde, dürften die Skater von der neuen Streckenführung durchaus profitieren. Die Mixtur aus Hochgeschwindigkeits- und Köln-typischem verwinkeltem Innenstadtkurs dürfte interessant sein.

Und wo sollten sich Familienangehörige, Freunde und Fans am besten platzieren? Klar – dort, wo man seine Sportler wie in einer Arena gleich viermal sehen kann: Das ist im Bereich Heumarkt / Maritim-Hotel. Gleich nach dem ersten Kilometer fahren die Skater in einer lang gezogenen Linkskurve rund um das Hotel runter zur Rheinuferstraße. Dann lohnt sich ein 100 Meter langer Fußweg zum Rheinufer, um die Skater nach 12,5 km zu sehen, wie sie aus dem Rheinufertunnel ans Tageslicht zurückkehren und rheinaufwärts fahren. Dritter Blickkontakt: Vor dem Brauhaus „Zur Malzmühle“, nachdem die Skater von der Rheinuferstraße nach links ins Stadtzentrum abgebogen sind. Wer danach auf dem Heumarkt zum Reiterdenkmal schlendert, kann zu Beginn des Anstiegs zur Deutzer Brücke miterleben, wie der Endspurt angezogen wird.

Nach dem Rennen treffen sich die Kölner Roll-Möpse am Heumarkt zum fünften Mal – zum Saisonausklang nach dem Rennen im Brauhaus „Zur Malzmühle“. Auch alle Skaterfreunde aus nah und fern sind herzlichst willkommen.
©Hanspeter Detmer