Int. Kriterium in Groß-Gerau: Ein Wochenende der Superlative – 3 Sportler des SSC Köln mittendrin

Robert Woermann Groß Gerau 2015: Robert beim EinzelsprintRobert Woermann Groß Gerau 2015: Robert beim EinzelsprintSeit nunmehr 37 Jahren trifft sich die Speedskating-Szene am letzten Aprilwochenende in der hessischen Kreisstadt Groß Gerau, um beim Internationalen Kriterium den ersten großen Leistungstest der Saison zu bestreiten. Vom 24. bis zum 26. April brachten knapp eintausend Athleten aus 26 Nationen den Sahne-Asphalt des 304 Meter langen Straßenkurses im Groß-Gerauer Skate-Park zum Glühen.
Seit einigen Jahren ist auch der SSC Köln regelmäßig mit seinen Sportlern bei der zweitgrößten Bahnveranstaltung Europas vertreten. 2015 gingen Sebastian Kieser (Schüler B), Max Kaldenhoff (Schüler A) und Robert Woermann (Junioren A) für die Kölner an den Start. Max startete außerdem für das Custom-Sport Team.

Der erste Wettkampftag galt als separater Sprintcup ausschließlich dem 300 Meter Einzelstart, bei dem jeder Athlet ab der Altersklasse Kadetten eine schnelle Runde gegen die Uhr zu absolvieren hat und sich so der Konkurrenz erstmalig präsentieren kann. Beim diesjährigen Kriterium wurden Top-Zeiten vor allem vom Lokalmatadoren und Junioren-Weltmeister Simon Albrecht auf der Piste erwartet. Mit den Ergebnissen am Ende des Tages rechnete allerdings niemand: Der SprintCup wurde der schnellste Einzelsprintwettbewerb, der je ausgetragen wurde. In der Hauptklasse der Herren unterboten allein 12 Athleten den bestehenden Weltrekord von 23,9 Sekunden.
Bei besten Bedingungen mit strahlend blauem Himmel und Temperaturen um die 26 Grad stellte sich auch Robert Woermann der Sekundenjagd und überquerte nach 28,6 Sekunden die Ziellinie. Ein nicht ganz optimaler Sprint. Nachdem Robert auf der Startlinie weggerutscht war, stolperte er kurz vor der finalen Lichtschranke. Die knapp 80 Mann starke, international top besetzte Konkurrenz verzeiht solche Unsicherheiten nicht. Somit reichte es nur für einen hinteren Platz. Aber Robert war zufrieden: "Ich bin heute das erste Mal seit 2 Jahren wieder einen Einzelsprint gelaufen. Eine 28er Zeit ist unter diesen Umständen in Ordnung" resümierte der 19jährige, der seine Hoffnungen auf der Bahn ohnehin in die längeren Distanzen setzt.

Sebastian Kieser Groß Gerau 2015: Sebastian KieserSebastian Kieser Groß Gerau 2015: Sebastian KieserAm zweiten Wettkampftag bekamen dann auch unsere beiden Schüler die internationale Härte zu spüren. Für Sebastian Kieser ging es am Samstag auf die Langstrecke über 2000 Meter. Das sehr unbeständige Wetter mit teilweise anhaltendem leichten Regen sorgte im Vorfeld für viel Stress vor allem bei den Eltern: Kaum war die Bahn wieder trocken und die entsprechenden Rollen unter den Schuh montiert, zogen erneut Regenwolken über die Stadt und es musste wieder umgeschraubt werden. Doch Sebastian hatte Glück. Bei seinem Start stand er mit den richtigen Rollen auf trockenem Boden. Auf den folgenden 6 Runden kämpfte er wacker und wollte sich dem anhaltend hohen Tempo des Feldes nicht geschlagen geben. Doch kurz vor Schluss reichten dann die Kräfte doch nicht mehr aus und er fiel mit einem weiteren Schüler aus der Gruppe. Immerhin konnte sich Sebastian in einem spannenden Schlusssprint gegen seinen Konkurrenten noch durchsetzen. Alles gegeben, und viel gelernt...

Max Kaldenhoff Groß Gerau 2015: Max KaldenhoffMax Kaldenhoff Groß Gerau 2015: Max KaldenhoffPech hatte Max Kaldenhoff (Schüler A) auf seiner Langstrecke über 3000 Meter. Auch sein Rennen startete auf trockener Fahrbahn. Aus der hintersten Startreihe kämpfte sich Max nach und nach im Feld nach vorne. Doch geriet er nach der Hälfte der 9 Runden in einen Massensturz und landete unglücklich auf dem Rücken. Aber auch er bewies seine Kämpfernatur, stand nach einem aufmunternden „Los Max, weiter!“ seines Trainers Robert Woermann auf und startete eine beeindruckende Verfolgungsjagd, bis er eine Runde vor Schluss schließlich doch vom Feld überrundet wurde und das Rennen beenden musste. Ein starkes Rennen, dass seinen Tribut forderte: Die Verletzungen waren für einen weiteren Wettkampf zu riskant. Damit endete das Kriterium für ihn. Respekt und Gute Besserung an dieser Stelle.

Auch in den höheren Altersklassen sorgte das große Rutschen auf der nassen Fahrbahn für einen der sturzreichsten Wettkampftage des Kriteriums. Unzählige Male verloren die Rollen zu viel Gripp, was für viele Sportler in einem unangenehmen Aufeinandertreffen mit der Bande endete. Dennoch ließ das aus vielen Welt- und Europameistern bestehende Teilnehmerfeld kein Risiko auf der Strecke vermissen. Als es gegen Abend trockener wurde, entwickelte sich auch der zweite Wettkampftag zu einer wahren Rekordjagd. Bei fast allen finalen Punkterennen der Junioren- und Aktivenklassen fielen die alten Streckenbestzeiten.
Maßgeblich für das hohe Tempo war auch die große Teilnahme südamerikanischer Sportler. Unter anderem war der vollzählige kolumbianische Nationalkader angereist. In Kolumbien ist Speedskating Volkssport und genießt größte Popularität.
Gegen ein solches Teilnehmerfeld wurde es auch für den Junioren Robert Woermann, der nur das letzte von drei Rennen im Trockenen absolvieren konnte, wieder schwer. Doch mit zunehmend längerer Distanz nach einem guten 500 Meter Sprint konnte sich Robert während der Punkterennens über 5000 Meter in der Gesamtwertung nach vorne arbeiten. "Der Regen ist zwar ungemütlich, aber mit den richtigen Rollen hat man akzeptablen Gripp, damit komme ich zurecht. Da wir Inline-Speedskater in Köln jedoch keine richtige Trainings- und Sportstätte haben, auf der wir uns adäquat auf einen so großen Wettkampf vorbereiten können, sind wir alle nur zum Lernen nach Groß-Gerau gereist."

Souverän siegte der mehrfache Welt- und Europameister im Inline-Speedskating und Olympiateilnehmer Bart Swings mit einer Attacke aus dem Feld im Punkterennen der Aktiven Herren. Damit sicherte er sich frühzeitig den 6. Gesamtsieg in Groß Gerau in Folge.

Bart Swings Groß Gerau 2015: Gesamtsieger Bart Swings aus BelgienBart Swings Groß Gerau 2015: Gesamtsieger Bart Swings aus BelgienDer letzte Wettkampftag versprach besseres Wetter. Bei guten Bedingungen startete Sebastian Kieser sein kurzes Rennen über 1000 Meter. Nach einem diesmal gelungenen Start aus der hinteren Reihe kam es direkt in der ersten Kurve beinahe zum Sturz. Sebastian konnte aber Schlimmeres verhindern und schloss sich nach einem kurzen Schreck dem Feld direkt wieder an. Mit 14 Sekunden Rückstand auf den Erstplatzierten beendete Sebastian sein zweites Rennen auf internationalem Terrain. Mit Platz 11 in der Gesamtwertung nicht unglücklich, weiß Sebastian jetzt, wo seine Defizite liegen und wie er sein Training in diesem Sommer gestalten muß.

Während der Mittagspause des dritten und letzten Wettkampftages zogen gewaltige Wolkenbrüche auf, die eine schnelle Fortsetzung des Rennprogramms unmöglich machten. Die hervorragende Organisation und Zusammenarbeit des Schiedsrichterteams, der Zeitmessung und der Helfer des Vereins Blau-Gelb Groß-Gerau machten eine zügige Abwicklung der letzten Rennen dennoch möglich. So startete auch Robert Woermann zu seinem letzten Rennen, dem Ausscheidungsrennen über 10.000 Meter. Nach einem guten Start fehlte ihm allerdings die Orientierung im Feld, weshalb er schon früh ausschied.

Am Ende waren jedoch alle mit der neu gewonnenen Erfahrung und den unzähligen Eindrücken des Wochenendes zufrieden. Die Starts om Groß-Gerau waren eine gute Vorbereitung für die bevorstehenden Süddeutschen Meisterschaften am 16. und 17. Mai in Homburg/Saar.
Und eins steht für die drei GG-Starter des SSC Köln jetzt schon fest: Nächstes Jahr wieder!.

Robert Woermann