Rutsch in den Mai – aber kein Ausrutscher für den SSC Köln

Büttgen Spurt in den Mai 2017: Statt Spurt in den Mai - viel Regen. Foto: HJ HeinischBüttgen Spurt in den Mai 2017: Statt Spurt in den Mai - viel Regen. Foto: HJ HeinischAngekündigt worden war der zweite Wettbewerb innerhalb der diesjährigen Westdeutschen-Speedskating-Cup-Rennserie in Büttgen nahe der Landeshauptstadt Düsseldorf als „Spurt in den Mai“. Doch aus dem „Spurt“ in den Mai wurde eher ein „Rutsch“ in den Mai auf dem rund 900 Meter langen Viereckkurs durch den Ortskern. Glänzte in den früheren Jahren diese Veranstaltung mit ihren spannenden Rad- und Inline-Skaterrennen durch eine tolle Atmosphäre sowie hervorragende Organisation und vor allem immer sonnigstes Maiwetter, so ging der diesjährige Spurt in den Mai bei immer heftiger werdendem Platzregen beinahe „baden“. Was glücklicherweise jedoch nicht auf die Starter des SSC Köln zutraf.

Insgesamt nahmen 77 wetterfeste Speedskater - 18 Frauen und 59 Männer - das Rennen über 30 Minuten plus 1 Runde auf. Der Rennmodus: Sobald der Führende nach 30 Minuten über die Ziellinie fährt, wird für jeden Teilnehmer die letzte Runde eingeläutet. Es gewinnt der Sportler mit den meisten Runden. Bei gleicher Rundenzahl wird nach Zieleinlauf entschieden.

Den SSC Köln vertraten der 14jährige blinde Felix Michalski (begleitet von seinem Guide Josef Riefert), die noch in diesem Mai 14 Jahre alt werdende und damit jüngste Teilnehmerin Anja Rizzuto, die Special-Olympics-Starterin Daniela Leal, der Senior Hanspeter Detmer sowie Claudia Maria Henneken und Robert Woermann.

Büttgen Spurt in den Mai 2017: Claudia Maria Henneken - schnell durch den Regen. Foto: HJ HeinischBüttgen Spurt in den Mai 2017: Claudia Maria Henneken - schnell durch den Regen. Foto: HJ HeinischIm Rennen der Damen demonstrierte unsere Sportartin Claudia Maria Henneken, die für das Pecbi.de-Team läuft und vor zwei Wochen Dritte der Deutschen Meisterschaft im Halbmarathon wurde, erneut ihre herausragende Position als weiterhin beste Speedskaterin in NRW. Vom Start weg hielt sie das Tempo auf dem sehr nassen und dadurch gefährlich rutschigen Kurs waghalsig hoch. Die später zweit- und drittplatzierten Silke Röhr und Silke Zimmermann (beide VfR Büttgen / Speedskater Düsseldorf) vermochten Marias Tempo nur fünf Rennminuten lang zu halten. Dann folgte Marias 25-minütiger Alleingang, mit dem sie in Büttgen ihren 5. Sieg in Folge feierte und ihre Führung in der WSC-Gesamtwertung ausbaute. Besonders erstaunlich: Maria war am Vortag in Düsseldorf noch einen Marathon gelaufen, bei dem sie nach drei Stunden und 8 Minuten den 11. Platz in der Damenwertung belegte.

Im Alleingang absolvierte auch unsere Special-Olympics-Athletin Daniela Leal das Rennen. Sie tat sich von Beginn an mit den unter Wasser stehenden Straßen schwer und konnte sich in keine Gruppe integrieren. Dennoch lief sie das Rennen beherzt zu Ende und schaffte bemerkenswerte 13 Runden.

Büttgen Spurt in den Mai 2017: Hp. Detmer - vorsichtig durch den Regen. Foto: HeinischBüttgen Spurt in den Mai 2017: Hp. Detmer - vorsichtig durch den Regen. Foto: HeinischHanspeter Detmer blickte von Beginn an gelassen auf die bevorstehende Herausforderung. „Ich bin ganz vorsichtig gefahren. Zu hohes Tempo erhöht nur sinnlos die Verletzungsgefahr“ resümierte er nach dem Rennen. Nach 14 Runden war er froh, die „Schwimmflossen“ – sprich: Skates – ausziehen und die patschnassen Socken auswringen zu können. Es reichte zu Platz 3 in der AK70.

Zum ersten Mal im WSC startete Anja Rizzuto in der Kadetten-Klasse der 14 bis 15-jährigen.Büttgen Spurt in den Mai 2017: Anja Rizitto (l.) - neu im WSC. Foto: HJ. HeinischBüttgen Spurt in den Mai 2017: Anja Rizitto (l.) - neu im WSC. Foto: HJ. Heinisch Auch sie schaffte 14 Runden trotz Schwierigkeiten mit einem offenen Schuh. „Der ist einfach aufgegangen“ wunderte sie sich hinterher. Dennoch konnte sie den Kontakt zu einer erfahreneren Mitstreiterin halten, mit der sie sich über einen Großteil der Strecke gegen Wind und Regen die Führungsarbeit teilte. Ein tolles Debut.

Die wohl beeindruckendste Leistung des Tages zeigte unser neues Mitglied Felix Michalski. Der von Geburt an blinde Jugendliche hatte bereits im März bei unserer Hallenveranstaltung „Inside Colonia“ seine öffentliche Rennpremiere absolviert, als er von seinem Guide Joseph Riefert nur durch akustische Signale mehrere Runden gelenkt wurde. Büttgen Spurt in den Mai 2017: Felix Michalski (r.) nach seinem ersten Straßenrennen mit seinem Guide Josef Riefert (l.)Büttgen Spurt in den Mai 2017: Felix Michalski (r.) nach seinem ersten Straßenrennen mit seinem Guide Josef Riefert (l.)Nun kam in Büttgen bei dem Sauwetter am 1. Mai gleich der härteste aller Härtetests, galt es doch auf glattester Fahrbahn im dichten Regen 30 Minuten mit höchster Konzentration zu überstehen. Phänomenal: Felix schaffte sagenhafte 9 sturzfreie Runden. Ein Auftritt, der allerhöchste Achtung verdient und Felix viel Mut macht. Im Sommer will er zunächst in Nürnberg an den Deutschen Meisterschaften der sehbehinderten Inline-Skater auf der Bahn, und dann Anfang August in München auf der Straße an der Deutschen Meisterschaft über 21 km starten. Der SSC Köln wird Felix so gut wie möglich unterstützen.

Auch im Herrenfeld war anfangs noch der große Respekt vor den problematischen Kurven groß. Dennoch wurde das Tempo über weite Strecken sehr hoch gehalten. Im taktischen Durcheinander verpasste Robert Woermann, der neue Schatzmeister des SSC Köln, der im WSC für das Bochumer Pecbi.de-Ruhrboss Team fährt, Büttgen Spurt in den Mai 2017: Robert Woermann führt das Feld der Verfolger an. Foto: HJ. HeinischBüttgen Spurt in den Mai 2017: Robert Woermann führt das Feld der Verfolger an. Foto: HJ. Heinischbei seiner Saisonpremiere mangels saisonaler Rennerfahrung den entscheidenden Antritt, als sich nach knapp 12 Rennminuten eine vierköpfige Spitzengruppe absetzte.Robert konnte sich jedoch in der Verfolgergruppe durchsetzen und gewann den Sprint um Platz fünf in der Gesamtwertung. Sieger des Herrenrennens wurde Jan Struwe vom Halstenbecker TS, gefolgt von Vorjahressieger Markus Pape (LC Solbad Ravensberg) und Karsten Wilke (ebenfalls Pecbi.de-Ruhrboss) auf den Plätzen 2 und 3.

Bericht: Robert Woermann